gestern ist jetzt

gestern ist jetzt

Der Podcast für Familiengeschichte im Nationalsozialismus

#29 - Militärarchiv Freiburg

Audio herunterladen: MP3 | AAC | OGG | OPUS

Links und Hintergründe

Unser Gast heute: Archivdirektor Thomas Menzel. Er leitet das Referat MA 5 im Militärarchiv in Freiburg, das zuständig ist für die gesamte schriftliche Überlieferung der preußisch-deutschen Streitkräfte zwischen 1849 und 1949.

Im Freiburger Militärarchiv

Hier gibt es einen guten Überblick, über die Bestände.

So unterschiedlich wie die Einsätze und Einsatzorte der Soldaten fallen auch ihre zu Papier gebrachten Erfahrungen aus. Eine gute Einordnung findet ihr auf der [Seite der BpB]().

NS-Militärjustiz

Beim der Wehrmacht waren Kriegsgerichte jeder Division und dort dem jeweiligen Stab zugeordnet. Die 1918 abgeschafften Standgerichte wurden 1939 wieder eingeführt, als spontane Gerichte für Einzelfälle, aber zuständig für alle Delikte des Strafrechtes. Sie verurteilten Zehntausende beispielsweise wegen angeblichen „Kriegsverrats“ oder als Deserteure, Kriegsdienstverweigerer oder „Wehrkraftzersetzer“. Insgesamt 20 000 deutsche Soldaten wurden zum Tode verurteilt. Eine vermutlich ebenso große Zahl wurde in KZ, Straflager oder Strafbataillone gesteckt. Etwa 4000 von ihnen waren bei Kriegsende noch am Leben. Die, die nicht zum Tode verurteilt wurden, gelten lange als Kriegsverbrecher. Eine Entlastung durch die Bundesrepublik scheiterte lange an politischem Dissens, so dass Wehrmachtsdeserteure per Gesetz erst 2002 rehabilitiert wurden. Der lang anhaltende Widerstand war vor allem aus den Reihen der Union gekommen.

Grund für die späte Rehabilitation der Opfer der NS-Militärjustiz war zunächst jene Rechtfertigungsgesinnung, die der einstige NS-Marine-Richter und frühere baden-württembergische CDU-Ministerpräsident Hans Filbinger mit dem Satz offenbarte: „Was damals Recht war, kann heute nicht Unrecht sein.“ Filbinger, der selbst in Todesurteile verstrickt war, musste 1978 zurücktreten.

Kriegsverbrechen

Die Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen ist seit mehr als 60 Jahren damit beauftragt, Vorermittlungen zu nationalsozialistischen Verbrechen zu führen. Mit dem Ziel, auch heute noch lebende Täter und Gehilfen der massenhaften Morde ausfindig zu machen. Seit einiger Zeit hat die Aufklärungsstelle ihr Aufgabengebiet erweitert und will auch Morde in Kriegsgefangenenlagern, speziell von sowjetischen Kriegsgefangenen, der Wehrmacht und der sogenannten Einsatzgruppen untersuchen.

Recherchetipps

Bei militärischen Unterlagen ist das für Laien manchmal etwas schwierig zu durchblicken, welcher Standort des Bundesarchivs überhaupt zuständig ist. Hier findet Ihr einen Überblick, in dem erklärt wird, wieso es überhaupt zu den unterschiedlichen Zuständigkeiten kam.

Hier findet ihr den Benutzungsantrag und den "Auftrag für eine Recherche über Militärangehörige" . Beides müsst Ihr ausfüllen und ans Bundesarchiv schicken, die e-Mailadresse findet ihr hier.

Das Suchportal Invenio ist nicht so einfach zu bedienen, mit einer simplen Stichwortsuche kommt man nicht weit. Wie man erfolgreicher sucht, sollte die Topps von Thomas Menzel befolgen - und sich etwas in den Aufbau des Archivs eindenken.

Unterlagen im Ausland

Während und nach dem Zweiten Weltkrieg brachten die Alliierten gefundene Akten des Deutschen Reiches in Sicherheit, viele davon wurden auch nach Russland gebracht. Während die Dokumente der Westalliierten nach und nach ans Bundesarchiv übergingen, befinden sich die russischen Sammlungen dieser sogenannten Trophäendokumente weiterhin in verschiedenen Föderalen Archiven der Russischen Föderation, wie zum Beispiel im Staatsarchiv der Russischen Föderation – GARF, im russischen Staatsarchiv für sozialpolitische Geschichte – RGASPI, im staatlichen Militärarchiv der Russischen Föderation – RGVA sowie dem Zentralarchiv des Verteidigungsministeriums der Russischen Föderation – CAMO. Seit 2011 läuft ein gemeinsames deutsch-russisches wissenschaftliches Projekt zur Digitalisierung der in Russland aufbewahrten deutschen Dokumente. Eine Auswahl findet ihr hier.

Die Zentralnachweisstelle (ZNS) in Aachen war eine Einrichtung des Bundesarchives und wurde Ende 2005 aufgelöst. Ursprünglich war sie dafür zuständig, Beschäftigungs- und Versicherungsnachweise für Angehörige von Wehrmacht und Waffen-SS, aber auch von Reichsarbeitsdienst und Organisation Todt zu erstellen. Daneben stellte die ZNS Informationen für die Strafverfolgung von NS-Tätern zur Verfügung.

Benjamin Haas - Der Rechercheur

Benjamin Haas leitet seit 2008 seinen Recherchedienst von Freiburg aus, er ist spezialisiert auf militärische Werdegänge. Auf unserer Webseite erfahrt ihr mehr über seine Arbeit, dort gibt's auch ein Video.

Alle Archivdienste, mit denen das Bundesarchiv zusammenarbeitet, findet ihr hier.


Kommentare


Neuer Kommentar

Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.

Über diesen Podcast

Seit 75 Jahren ist der Nationalsozialismus Geschichte - und doch wirkt er bis heute weiter - im eigenen Leben, in den Familien. Der Podcast "gestern ist jetzt" erzählt von der Suche nach Antworten darauf, wie sich unsere eigenen Großväter im Nationalsozialismus verhalten haben. Und soll auch Dich bei Deiner Suche weiterbringen - dank der Unterstützung vieler Historiker, Sozialwissenschaftlerinnen, Psychologinnen und Archivare - aber und anderer recherchierender Enkel*innen, die schon viel weiter sind als wir. Wir, das sind Melanie Longerich und Brigitte Baetz - zwei Journalistinnen aus Köln.

von und mit Melanie Longerich, Brigitte Baetz

Abonnieren

Follow us